Fromme Fassade unter Christen: Warum sie echte Gemeinschaft blockiert – und wie wir sie einreißen
Was würde passieren, wenn wir als Christen jegliche fromme Fassaden einreißen würden? Und warum tragen Christen überhaupt eine fromme Fassade, wenn wir doch alle wissen, dass niemand von uns perfekt ist?
Ich behaupte: Das Einreißen wäre ein riesiger Schritt zu echter Gemeinschaft und zu echter Veränderung im Herzen von Menschen. Denn diese frommen Fassaden sind ganz, ganz schwierig für ein wirkliches Leben in der Nachfolge. Und wir stoßen im christlichen Kontext sehr häufig auf sie. Nicht immer, aber sehr häufig.
Platte Antworten statt echter Hilfe
Als ich zum Glauben gekommen bin, hatte ich ganz viele Fragen und ganz viele Unsicherheiten. Ich habe mir nichts anderes gewünscht, als mit einem erfahrenen Christen einfach mal darüber zu reden. Mir Tipps zu holen: Was hast du in dieser Situation gemacht?
Stattdessen habe ich immer wieder erlebt, dass diese frommen Fassaden hochgezogen wurden. Ich habe relativ platte Antworten bekommen: dass ich mehr beten sollte. Dass ich mehr in der Bibel lesen sollte. Dass ich geduldiger sein sollte. Dass Gott das schon alles wirken wird.
Hand aufs Herz: Das ist sehr frustrierend, wenn du Nachfolge wirklich praktisch leben und dich ehrlich in Gemeinschaft austauschen willst. Denn die Realität ist doch: Wir sind alle Menschen. Wir alle haben Herausforderungen, wir alle haben unsere Fragen, wir alle haben unsere Nöte.
Wenn wir lernen, damit offen umzugehen und offen miteinander zu sprechen, immer mit Blick auf Jesus und immer auf dem Fundament der Bibel, dann kann das nur gut werden. Wenn wir aber versuchen, perfekte Christen zu sein, die Fassade hochziehen und behaupten, wir hätten überhaupt keine Schwierigkeiten, wir seien total im Frieden und könnten Gott ganz geduldig überallhin folgen, ohne je vom Herrn herausgefordert zu werden, dann wird es schwierig.
Was die fromme Fassade blockiert
Stell dir vor, ein Christ geht auf einen anderen zu und sagt: Hier, ich habe dieses Problem, kannst du mir helfen? Und der andere antwortet aus seiner Fassade heraus, nur mit allgemeinen Antworten. Dann kommen beide keinen Schritt weiter. Eigentlich könnten zwei Menschen mit Fragen sich austauschen und miteinander wachsen, unter Gottes Ordnung. Aber das passiert nicht, weil die Fassade es blockiert.
Könnten wir die Fassaden loslassen, entstünde eine Kultur, in der wir weniger über Jesus reden und ihm wirklich nachfolgen. Ein Raum, in dem echte Veränderung stattfinden kann, unter Gottes Wort. Genau das wollen Oli und ich fördern: den Weg freimachen für lebendige Nachfolge.
Und dafür müssen die frommen Masken runter. Dafür müssen die frommen Fassaden eingerissen werden, damit wir wirklich miteinander sprechen können.
Ganz praktisch: Nehmen wir an, du merkst, dass du immer wieder mit Neid zu kämpfen hast. Aber du lässt das nicht zu. Sofort ist die fromme Fassade da: Nee, ich darf jetzt nicht neidisch sein, ein guter Christ ist das nicht. Du hast deinen Schutzmechanismus, und damit existiert der Neid einfach nicht mehr.
So funktioniert das nicht. Natürlich existiert er noch. Er ist noch in deinem Herzen. Und wenn du nicht hinguckst, löst er sich auch nicht. Wenn du ihn nicht bekennst, wenn du nicht Buße tust, wenn du nicht umkehrst, wenn du deine Gedanken, dein Handeln, deinen Willen und deine Gefühle nicht durch Gottes Wort erneuern lässt, wird sich das einfach nicht auflösen.
Darum ist es so wichtig, ehrlich hinzugucken und zu sagen: Okay, das ist gerade noch in mir. Das will ich aber nicht mehr. Herr, bitte verändere mich. Das ist authentisch. Das ist Maske runter. Und das gehört auch in die Gemeinschaft, ehrlich miteinander gesprochen. Es ist ein ganz wichtiger Weg, in der Jüngerschaft zu wachsen und nicht stehen zu bleiben.
Dasselbe gilt für Geld. Nee, Geld ist mir egal, ich bin ganz fromm. Ich habe zwar jeden Monat die Herausforderung, aber ich beschäftige mich nicht damit. Doch, natürlich müssen wir uns damit beschäftigen. Und die fromme Fassade blockiert genau das.
Warum tragen Christen eine fromme Fassade?
Woher kommt so eine Fassade? Ganz sicher nicht, weil jemand böswillig ist oder nicht auf dem richtigen Weg. Schlicht und ergreifend, weil sie ein Schutzmechanismus ist. Manche haben sie sich antrainiert. Es gibt ganz viele Gründe.
Meistens will man sich schützen. Meistens aus Menschenfurcht. Und meistens, weil man von anderen verletzt wurde: Man hat einmal ehrlich gesagt, hey, ich habe diese Herausforderung, und wurde dafür verurteilt. Das ist fatal.
Aber die Fassade führt zu nichts. Eine fromme Fassade sieht zwar von außen glänzend aus, aber verbirgt meistens ganz viele Probleme, Not, Sünde und Herausforderungen im eigenen Leben. Wenn wir die nicht angehen, wenn wir sie nicht zu Jesus tragen und in Gemeinschaft nicht offen darüber sprechen können, dann wird es wirklich problematisch.
Mein großer Appell ist deshalb: Lass uns diese frommen Fassaden niederreißen. Das bringt niemandem was. Lass uns lieber authentisch, ehrlich und offen miteinander umgehen. Lass uns annehmen, dass wir Menschen sind, dass wir nicht perfekt sind und dass jeder Herausforderungen hat. Wir sitzen in einem Boot. Dann sind wir praktisch in der Nachfolge, dann entwickeln wir uns. Und dann sind wir auch nicht mehr so ungeduldig mit anderen und bewerten nicht mehr, wo jemand auf seinem Weg steht.
Was auf uns wartet, wenn die Fassaden fallen, ist nur Gutes: authentische Beziehungen, echte Veränderung und dass wir nicht mehr nur über Jesus reden, sondern ihm wirklich nachfolgen und ihn an unser Herz lassen. In Gemeinschaft umso stärker.
Drei Schritte, die fromme Fassade einzureißen
Jeder Einzelne kann dazu beitragen, dass diese Fassaden fallen. Drei Dinge mag ich dir dafür mitgeben.
1. Leg die fromme Maske ab
Der erste Schritt beginnt bei uns selbst. Frag dich: Habe ich eine fromme Maske auf? Und dann leg sie ab. Die muss einfach weg.
Wo versuche ich, eine Fassade aufrechtzuerhalten? Wo gehe ich Probleme nicht an? Wo will ich mich schützen? Dann geh in Umkehr und Buße, in die inneren Prozesse, in denen du mit Jesus aufräumst, und lass es los. Nur so verändert sich etwas.
Jakobus 5,16: „Bekennt also einander die Sünden und betet füreinander, damit ihr geheilt werdet. Das Gebet eines Gerechten ist wirksam und vermag viel.“
Einander die Sünden bekennen und füreinander beten: Das machst du natürlich nicht random mit irgendjemandem. Dafür braucht es Beziehung, Gemeinschaft, ein ehrliches Miteinander und Wohlwollen. Dass man das Beste für den anderen will, statt ein Argument gewinnen zu wollen, und sich gegenseitig auf dem Weg der Nachfolge unterstützt.
Lass uns diese Grundhaltung etablieren: Wir fangen bei uns selbst an, schauen, ob wir eine fromme Maske tragen, und sind bereit, sie loszulassen. In einem guten Umfeld gehen wir die Probleme dann an, tragen sie zu Jesus, arbeiten daran und gehen damit in den Heiligungsprozess.
2. Mach die Bibel zur Basis
In diesem ganzen Prozess gilt, eigentlich fürs Protokoll: Die Bibel ist die Basis. Nichts anderes. Keine christliche Tradition, keine menschliche Meinung, keine Menschenfurcht. Nichts davon sollte die Navigation übernehmen, sondern immer Gottes Wort.
Gottes Wort ist der Schlüssel, damit wir Antworten auf unsere Probleme bekommen. Sonst bekommen wir weltliche Antworten, religiöse Antworten, irgendwelche Antworten, aber nicht Gottes Wahrheit darüber, wie wir mit Problemen, Herausforderungen und Sünde umgehen sollen und dürfen. In Gottes Wort liegt der reiche Schatz und die Navigation, mit der wir unser ganzes Leben unter Gottes Ordnung bringen können.
3. Hilf, statt zu verurteilen
Damit Masken fallen können, braucht es eine Grundhaltung bei uns allen: dass wir nicht verurteilen, sondern einander helfen wollen.
Hier sehe ich ein ganz großes Entwicklungspotenzial unter Christen. Wir reden nett miteinander, und wenn wir uns getrennt haben und zu Hause sind, reden wir über diese Person. Ganz bestimmt nicht mehr wertschätzend, sondern eher verurteilend.
Lass uns stattdessen unser Herz kultivieren und Menschen auf ihrem Weg als Gottes Geschöpf sehen, als jemanden, der in der Entwicklung ist. Ohne zu verurteilen und ohne uns darüberzustellen. Sondern mit einem: Hey, ich sehe dich, ich kann das nachvollziehen, und ich will dir helfen. So entsteht eine Kultur, in der wir ehrlich miteinander umgehen können und in der Fassaden gar nicht mehr nötig sind, weil niemand mehr Schutz braucht.
Fromm werden: ja. Fromme Fassade: nein.
Ich weiß, das klingt ein bisschen nach perfekter Utopie. Aber wenn wir nicht anfangen, uns danach auszustrecken, wird es sich nie ändern. Wenn wir nicht bei uns selbst anfangen und sagen: Okay, ich bin bereit, diese Fassade loszulassen. Ich will meine Probleme an Gottes Wort lösen, mein Leben unter Gottes Ordnung bringen und Jesus nachfolgen. Und wenn wir nicht anfangen, Menschen nicht zu verurteilen, sondern sie zu verstehen und liebevoll und in Wahrheit mit ihnen umzugehen.
Also: Lasst uns bei uns selbst anfangen und einander einen Vertrauensvorschuss geben. Offen und wertschätzend statt verurteilend. Dabei spülen wir nichts weich. Wir sagen nicht auf einmal: Och ja, die Sünde ist gar nicht so schlimm. Aber wir gehen in einer guten Art und Weise miteinander um.
Bleib nicht dabei stehen, dass es viele fromme Fassaden gibt. Lass sie uns durchbrechen und selbst loslassen. Lass uns wirklich echte Nachfolger werden, die nicht nur theoretisch davon reden, als hätten sie schon alles, sondern die sich praktisch danach ausstrecken, wirklich fromm zu leben.
Denn am Wort „fromm“ ist nichts problematisch. Biblisch gesehen ist es genau das, was erstrebenswert ist. Also lass uns immer frommer werden, aber keine frommen Fassaden hochziehen, hinter denen wir nur oberflächlich miteinander reden, keiner an den anderen rankommt und niemand seine Probleme wirklich angeht. Wir sind alle auf dem Weg, und wir dürfen uns entwickeln.
Genau so eine Kultur wollen Oli und ich auch in DIVINE Connect leben, unserer Jesus-zentrierten Gemeinschaft für geistliches Wachstum und Nachfolge: dass sich fromme Fassaden dort gar nicht erst etablieren, sondern wir ehrlich, authentisch und wertschätzend miteinander umgehen. Wenn du dich danach sehnst, bist du herzlich eingeladen, diesen Weg mit uns zu gehen. Lass uns diese Fassaden einreißen und echte Jünger sein.
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Häufige Fragen
Warum tragen Christen eine fromme Fassade?
Meistens nicht aus Böswilligkeit, sondern zum Schutz. Manche haben sie sich antrainiert, viele handeln aus Menschenfurcht, und oft wurden sie verurteilt, als sie ehrlich von einer Herausforderung erzählt haben. Die Fassade sieht von außen glänzend aus, verbirgt aber Probleme, Not und Sünde, die so nicht gelöst werden.
Muss ich jedem meine Sünden bekennen?
Nein. Jakobus 5,16 ruft dazu auf, einander die Sünden zu bekennen und füreinander zu beten. Das tust du aber nicht mit irgendjemandem, sondern dort, wo Beziehung, ehrliches Miteinander und Wohlwollen da sind, also mit Menschen, die das Beste für dich wollen und dich auf dem Weg der Nachfolge unterstützen.
Ist es falsch, fromm sein zu wollen?
Nein. Am Wort „fromm“ ist nichts problematisch, biblisch gesehen ist es erstrebenswert. Wir dürfen immer frommer werden. Das Problem ist die Fassade: Sie sorgt dafür, dass wir nur oberflächlich miteinander reden und niemand seine Probleme wirklich angeht.
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