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Allein unter Christen: Warum du dich in der Gemeinde fremd fühlst – und was dann hilft

Merle Ranft5 Min. Lesezeit

Als ich zum Glauben gekommen bin, habe ich gedacht: Jackpot. Und dann kam die Frage, die mich seither immer wieder begleitet: Warum fühle ich mich in der Gemeinde fremd – ausgerechnet unter Christen?

Ich hatte mir vorgestellt, jetzt Teil einer großen, tollen Familie zu sein. Einer Gemeinschaft, die stark ist, mutig, feurig, die mit Jesus im Herzen unterwegs ist und echt etwas verändert. Und ich habe immer wieder erlebt, dass das nicht die Realität ist. Mit meinem frischen Hunger nach Jesus, mit dem Bedürfnis, ihm hinterherzurennen und jede Sekunde meines Lebens ihm hinzugeben, habe ich Menschen irritiert.

Du bist nicht die Einzige

Das ist meine persönliche Geschichte. Aber immer wieder haben sich Menschen Oli und mir gegenüber geöffnet und gesagt: „Das habe ich auch erlebt.“ Und es ist verletzend, weil man ja eigentlich geistliche Familie leben will und genau das erwartet. Ja, es ist schmerzhaft. Und es sollte nicht so sein.

Wer neu in eine durchschnittliche Gemeinde kommt, steht oft an vielen Stellen da und fragt sich: Moment, ist das hier christliche Kultur? Ist das wirklich biblisch? Warum ruft hier nicht jeder: Lass uns Jesus nachfolgen? Stattdessen wird vieles wie nach Schichtplan abgearbeitet.

Ich spreche das an, nicht um jemanden bloßzustellen. Es ist kein Verwerfen und kein Verurteilen, sondern ein praktisches Hinschauen: Wo stehen wir als Christen, wo stehen unsere Gemeinden? Nur wenn wir hinschauen, können wir am Prinzip etwas verändern.

Warum fühle ich mich in der Gemeinde fremd? Es liegt meist am System

Ein Vergleich, der mir hilft: Wir sind uns wohl alle einig, dass Schule und Bildung wichtig sind. Und trotzdem kann man beim deutschen Bildungssystem einige Fragen stellen. Es gibt ganz bestimmt gute Schulen, aber das System an sich ist ganz schön marode und bräuchte dringend Reformen, vielleicht sogar einen kompletten Neubau.

So ähnlich ist es mit vielen Gemeinden im deutschsprachigen Raum. Es gibt sehr, sehr gute Gemeinden. Aber im Großen muss man feststellen: Da läuft irgendwie etwas schief. Und das liegt meistens nicht an den Menschen, die dort jeden Sonntag suchend sitzen und hoffen, dass sie etwas lernen, wachsen und Gemeinschaft erleben. Es hat häufig mit dem Geist dahinter zu tun.

Epheser 6,12: „Wir kämpfen ja nicht gegen Menschen aus Fleisch und Blut, sondern gegen dämonische Mächte und Gewalten, gegen die Weltherrscher der Finsternis, gegen die bösartigen Geistwesen in der unsichtbaren Welt.“

Wenn du dich in einer Gemeinde allein oder fremd fühlst oder die Leute von deinem Hunger nach Jesus irritiert sind, dann heißt das nicht, dass die Menschen dort blöd oder schlecht sind. Sie sind in einem System groß geworden, das gewisse Dinge fördert und andere eben nicht.

Wenn ein Kind zu dir kommt und sagt, es habe nie Lesen und Schreiben gelernt, sagst du ja auch nicht: Mensch, das Kind ist blöd. Du fragst dich: Was ist mit der Schule los, was mit den Lehrern? Genauso ist meine Haltung: Wenn ein Christ nicht brennender Nachfolger ist, wenn da keine Leidenschaft für Jesus ist, kein Mut, ihm radikal nachzufolgen, keine Freimütigkeit, keine Resilienz im Charakter – dann liegt das am System. Das System bringt dann eben keine starken, mündigen Christen hervor.

Die Gemeindewunde

Ich habe lernen dürfen, dass es dafür sogar einen Begriff gibt: die Gemeindewunde. Und diese Wunde muss dringend geschlossen werden, wenn wir als starke Jünger rausgehen, Licht und Salz sein und wirklich einen Unterschied machen wollen.

Wenn du für Jesus brennst – ob ganz frisch im Glauben oder seit Jahren in einer Gemeinde – und merkst, dass du mit deinem Feuer nirgendwo hinkommst, dass du irritiert angeschaut, limitiert oder klein gehalten wirst, dann sei dir bewusst: Das ist nicht der Plan. Das ist auch nicht normal und nicht gewollt. Gewollt ist, dass wir mündige, starke und freie Jünger werden, die Jesus kraftvoll nachfolgen und standhaft sind.

Und gerade mit dem Feuer, das Gott dir als frisch Bekehrte gegeben hat, darfst du im besten Sinne ein Stein des Anstoßes sein und aufmerksam machen: Leute, schaut mal, das scheint hier ein bisschen eingeschlafen zu sein. Wenn du dagegen in einer tollen Gemeinde bist: Ruf es von den Dächern und lade Menschen dorthin ein.

Genau deshalb haben Oli und ich DIVINE Connect gegründet. Nicht als Alternative zur Gemeinde, sondern als Raum, in dem im Fokus steht: Wir haben Jesus kennengelernt, wir wollen ihm brennend nachfolgen und mit ihm und für ihn etwas bauen – ein Raum, in dem „Eisen schärft Eisen“ gilt. DIVINE Connect ist unsere Jesus-zentrierte Community für Gemeinschaft, geistliches Wachstum und Nachfolge. Nicht, weil wir die Weisheit mit Löffeln gefressen hätten. Jesus ist und bleibt der Superheld und das Zentrum.

Drei Zusprüche, wenn du dich unter Christen allein fühlst

1. Lass dir deinen Hunger nicht nehmen

Du bist Jesus begegnet. Du sehnst dich nach ihm, du hast das Gefühl, dass da mehr ist. Da ist auch definitiv mehr. Bleib dran, streck dich aus und verbinde dich mit Menschen, die genauso denken wie du. Dann können wir gemeinsam einen Unterschied machen und frischen Wind in das System bringen. Und wenn du schon lange Christ bist und denkst, da muss es doch mehr geben als die Sonntagspredigt: Dann hast du recht. Streck dich weiter danach aus – du wirst Räume finden.

2. Mach andere Christen nicht zum Feindbild

Wir kämpfen nicht gegen Fleisch und Blut. Die Menschen sind nicht zu lau oder zu blöd. Wir alle müssen angeleitet werden, wir müssen ein bisschen schmecken können, wie der Weg als Christ, wie der Weg mit Jesus sein kann. Deshalb bitte kein Beef untereinander, kein Bewerten, kein Verurteilen, sondern ein nüchternes Draufschauen: Läuft nicht ganz optimal. In der Bibel lesen wir etwas anderes. Dann lass uns gemeinsam danach ausstrecken und gemeinsam etwas ändern – in Gemeinschaft bleiben und immer Jesus hinterher.

3. Bleib flexibel

Wenn die Gemeinde, in der du gerade bist, nicht die richtige ist, dann ist das nicht schlimm. Streck dich weiter aus und such dir Gemeinschaft. Das muss nicht im klassischen Denken sein: Du brauchst eine Gemeinde, musst jeden Sonntag im Gottesdienst sein und dieses und jenes Ehrenamt übernehmen. In diesen Kategorien muss es nicht sein. Gemeinschaft kann auch anders gedacht werden und ist trotzdem wertvoll, trotzdem biblisch und trotzdem auferbauend.

Such dir Gemeinschaft, die dich in der Nachfolge von Jesus fördert und fordert. Dann bleibst du nicht allein – und gemeinsam können wir frischen Wind in das System bringen.

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Häufige Fragen

Ist es normal, sich als neuer Christ in der Gemeinde fremd zu fühlen?

Es kommt sehr häufig vor – viele erleben es, auch wir. Normal im Sinne von „so gedacht“ ist es nicht: Gottes Plan sind mündige, starke und freie Jünger, die Jesus mit Feuer nachfolgen.

Was ist die Gemeindewunde?

Ein Begriff für die Verletzung, die Menschen erleben, wenn sie mit Hunger nach Jesus in eine Gemeinde kommen und dort irritiert angeschaut, klein gehalten oder allein gelassen werden.

Muss ich jeden Sonntag in den Gottesdienst gehen?

Gemeinschaft muss nicht in den klassischen Kategorien stattfinden, um wertvoll und biblisch zu sein. Wichtig ist, dass du Gemeinschaft suchst, die dich in der Nachfolge von Jesus fördert und fordert.

Du kennst Jesus – und möchtest ihm wirklich nachfolgen?

Dann komm zu uns in „DIVINE Connect – Die Gruppe“. Dort begleiten wir dich mit biblischen Impulsen, praktischer Zurüstung und ehrlichen Fragen, die deinen Glauben vom Wissen ins Leben bringen – gemeinsam mit Menschen, die ebenfalls konsequent mit Jesus wachsen wollen.

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