Besserwisser unter Christen: Wie du damit umgehst und was wir anders machen können
Du sprichst mit einem Christen, ihr kennt euch vielleicht gerade mal zwei Sekunden, und er weiß schon genau, was du besser machen solltest, was du lassen solltest und was unbiblisch ist. Wenn du dich fragst, wie du mit solchen Besserwissern unter Christen umgehen sollst: Ich glaube, die Antwort fängt woanders an, als du denkst.
Diese Menschen geben dir nicht nur gut gemeinte Ratschläge. Sie befehlen dir fast schon, wie du dein Leben zu leben hast, damit es endlich gut wird. Das ist schwierig, und das ist auch blöd. Keiner hat Lust, sich mit einem Besserwisser zu unterhalten. Und in geistlichen Zusammenhängen ist das genau dasselbe: Wenn wir über unseren Glauben sprechen, über unsere Glaubenspraxis, über die Nachfolge, dann macht es einfach keinen Spaß, mit Besserwissern zu reden.
Laut, aber nicht repräsentativ
Unter Christen gibt es tatsächlich immer mal wieder sehr laute Besserwisser. Sie sind nicht repräsentativ für die christliche Bubble. Aber es gibt sie, wie in allen Bereichen, und sie sind irgendwie besonders gerne besonders laut.
Ich möchte gar nicht lange über diese Menschen sprechen. Es gibt Gründe, warum sie sich so verhalten, warum es ist, wie es ist. Ich möchte den Blick lieber wenden: weg von der Herausforderung, mit jemandem zu sprechen, der immer alles besser weiß, hin zu der Frage, wie wir es anders machen können.
Wie gehe ich mit Besserwissern unter Christen um? Indem wir einen anderen Nährboden schaffen
Mein Vorschlag: Lass uns ein Umfeld schaffen, in dem Besserwisserei gar nicht so viel Raum einnimmt, weil wir einen ganz anderen Nährboden geschaffen haben. Eine Gesprächskultur, in der es für jemanden, der immer alles besser weiß, relativ unattraktiv wird, mitzumachen. Oder in der er sich fragt: Okay, vielleicht kann ich an meiner Art, Gespräche zu führen, etwas ändern, um hier in dieser Gemeinschaft wirklich teilzunehmen und teilzuhaben.
Dafür habe ich drei Tipps, wie wir alle miteinander dafür sorgen können, dass wir gute Gespräche führen: tiefe Gespräche, praktische Gespräche, Gespräche auf Herzensebene, in denen man Beziehungen aufbaut. Und nicht, dass von oben herab irgendeine Bewertung oder Verurteilung kommt. Das gilt im christlichen Kontext, aber genauso im Umgang mit jedem Menschen, der Jesus noch nicht kennt.
Tipp 1: Fang bei dir selbst an
Wie immer bei uns: Wir fangen bei uns selbst an. Denn da müssen wir ganz ehrlich zugestehen, dass in jedem von uns ein kleiner Besserwisser lebt. Oder lange gelebt hat. Und selbst wenn du ihn schon überwunden hast, versucht er immer mal wieder, an der Tür anzuklopfen. Das müssen wir einfach wissen. So sind wir Menschen.
Darum darfst du ganz achtsam werden und hinschauen: Wo habe ich in mir Besserwisser-Tendenzen? Woher kommen die? Warum sind die da? Wo ist mein Besserwisser in mir am Start? Und wie bekomme ich ihn in den Griff? Denn der muss auf jeden Fall raus.
Die Frage dahinter ist: Wie schaffe ich es, mich nicht über jemanden zu stellen, sondern mich meinem Gegenüber zu öffnen, neugierig zu sein, zuzuhören und ein Verständnis zu entwickeln? Meistens machen Menschen nichts aus Böswilligkeit. Sie haben in irgendeiner Art und Weise eine gute Absicht, sie verfolgen in ihrem Kontext etwas Gutes. Das muss man verstehen, und dann kann man miteinander darüber sprechen. Dafür brauchen wir Beziehung.
Die Bibel sagt uns ganz klar, dass wir eine gewisse Demut entwickeln sollen. Keiner von uns hat die Wahrheit mit Löffeln gefressen. Keiner von uns hat das Big Picture vor Augen. Wir alle erkennen nur Stückwerk.
1. Korinther 13,12: „Jetzt sehen wir wie in einem blank polierten Stück Metall nur rätselhafte Umrisse, dann aber werden wir alles direkt zu Gesicht bekommen. Jetzt erkenne ich nur Teile des Ganzen, dann aber werde ich so erkennen, wie ich von Gott erkannt worden bin.“
Das kann frustrierend sein. Aber es ist auch toll, weil wir unsere Teile zusammenbringen können. Du erkennst was, ich erkenne was, wir sprechen drüber, und dann multipliziert sich das Ganze. Wieder ein biblisches Prinzip.
Und wir werden in der Bibel immer wieder dazu angehalten, nicht höher über uns selbst zu denken, als es angemessen ist, und uns nicht über andere Menschen zu stellen.
Römer 12,3: „Aufgrund der Gnade, die Gott mir gegeben hat, warne ich jeden Einzelnen von euch: Denk nicht höher von dir, als dir zukommt, sondern schätze dich selbst richtig ein! Maßstab dafür ist der Glaube, den Gott jedem von uns zugemessen hat.“
Das dürfen wir ernst nehmen. Da hält die Bibel uns einen Spiegel vor die Nase. Denken wir hoch über uns? Behaupten wir, das Big Picture zu verstehen? Dann dürfen wir da ran. Kurz gesagt: Wir alle dürfen schauen, dass wir den Besserwisser rausschmeißen.
Tipp 2: Sprich auf Augenhöhe
Der zweite Tipp: Lass uns gemeinsam eine gute Gesprächskultur schaffen, und zwar auf Augenhöhe. Das fällt schon mal leichter, wenn der innere Besserwisser rausgeschmissen ist. Wir wollen uns ehrlich auf Augenhöhe begegnen, uns gegenseitig verstehen, wirklich mitdenken und mitfühlen und dann auch konstruktive Lösungsvorschläge geben.
Ein praktisches Beispiel. Ich komme aus der Esoterik, aus New Age, aus der Persönlichkeitsentwicklung. Wenn jemand zu mir kommt und sagt: „Hey, ich habe die und die Herausforderung noch aus meiner New-Age-Zeit, ich komme damit nicht klar, ich kann das nicht einordnen“, dann kann ich das total gut nachvollziehen. Dann sage ich: Kenne ich. Die Situation habe ich auch erlebt. Ich habe das so und so geregelt. Ich mag dich ermutigen, vielleicht magst du das auch mal testen. Und dann gebe ich praktische Tipps mit.
Das ist Augenhöhe. Das Gegenteil wäre, total zu vergessen, dass ich das auch mal hatte, mich über die Person zu stellen und zu sagen: „Wie kannst du nur? Das musst du loslassen. Das ist Sünde.“ Augenhöhe heißt: Kenne ich. Hier habe ich ein paar Tipps. Magst du das mal ausprobieren? Und dann miteinander unterwegs sein.
Und wenn ich ein Thema gar nicht kenne? Wenn jemand mit einer Herausforderung zu mir kommt, die ich selbst nie hatte, dann versuche ich trotzdem, mich hineinzudenken und mitzudenken. Vielleicht sage ich dann: „Guck mal, dann kannst du vielleicht da mal in die Bibel schauen“ oder „Nimm mal die Frage mit ins Gebet.“ So können wir miteinander sprechen, ohne dass der eine sich über den anderen stellt oder der andere sich verurteilt oder beurteilt fühlt. Das ist eine gute Gesprächskultur.
Tipp 3: Hilf ehrlich und mit Herz
Der dritte Tipp: wirklich ehrlich und mit Herz helfen. Was meine ich damit? Wir verweisen immer wieder auf das biblische Prinzip, in Wahrheit und in Liebe zu sprechen.
Epheser 4,15: „Lasst uns also in Liebe wahrhaftig sein und in jeder Hinsicht zu Christus hinwachsen, unserem Haupt.“
Ein Beispiel: Jemand kommt auf mich zu und bekennt mir, dass er in Sünde lebt. Dann brauchen wir ein Miteinander, das mit Herz und Verstand unterwegs ist. Das heißt, wir schauen das Ganze in Wahrheit an und sagen: Ja, es ist Sünde. Daran können wir nichts rumdiskutieren. Das ist so. Das wollen wir auch gar nicht weichspülen und als Menschen sagen: „Ja, ist jetzt nicht so schlimm. Der Herr verzeiht alles.“
Wir sehen, was es ist. Und wir schauen gleichzeitig, was uns die Bibel an die Hand gibt, um da herauszukommen, hinein in Heiligung. Dass wir Buße tun können, umkehren können, unser Leben aufräumen und unter Gottes Ordnung bringen können.
Ein Herz, das sagt: Ich möchte dir helfen
Dafür braucht es eine Grundhaltung, die noch ein Stück weiter geht, als Menschen auf Augenhöhe zu begegnen: ein Herz, das sagt: Ich möchte dir helfen, und zwar in Wahrheit und in Liebe. Dass wir nichts verbiegen. Dass wir keine biblischen Prinzipien weichspülen, nur weil wir nett zu den Menschen sein wollen.
Wertschätzend und in Liebe über Probleme, Herausforderungen, Nöte und Ängste zu sprechen, ohne die Wahrheit aus dem Blick zu lassen: Das ist das Netteste, was wir tun können.
Lass uns eine andere Kultur prägen
In der christlichen Kultur hat sich an der einen oder anderen Stelle etwas etabliert: Jemand kommt mit dem Zeigefinger hoch und sagt: „Du musst das so machen oder so.“ Nicht alle machen das, aber viele, und man erlebt es immer wieder.
Mein Wunsch ist, dass wir da sagen: Lass uns das anders machen. Lass uns eine andere Kultur prägen. Lass uns auf die Bibel schauen. Lass uns schauen, dass wir uns als Menschen veredeln und unsere Beziehungen veredeln, damit wir tiefer im Glauben gehen können, tiefer in der Nachfolge, und unser Leben wirklich verwandelt wird und unter Gottes Ordnung läuft.
Und lass uns aufhören, uns darüber zu ärgern, dass es Christen gibt, die immer mal wieder mit dem erhobenen Zeigefinger da sind. Lass uns den Menschen lieber zeigen, dass es anders geht.
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Häufige Fragen
Wie gehe ich mit Christen um, die immer alles besser wissen?
Nicht, indem du dich über sie ärgerst oder lange über sie redest. Meistens handeln Menschen nicht aus Böswilligkeit, sondern mit einer guten Absicht. Fang bei dir selbst an, wo dein eigener innerer Besserwisser sitzt, sprich auf Augenhöhe und hilf ehrlich und mit Herz. So entsteht eine Gesprächskultur, in der Besserwisserei keinen Raum mehr hat.
Heißt auf Augenhöhe reden, dass ich Sünde nicht mehr Sünde nennen darf?
Nein. Wenn jemand bekennt, dass er in Sünde lebt, dann ist es Sünde, daran gibt es nichts zu diskutieren. Auf Augenhöhe heißt: nicht von oben herab urteilen, sondern gemeinsam schauen, was die Bibel an die Hand gibt, um da herauszukommen. In Wahrheit und in Liebe, ohne biblische Prinzipien weichzuspülen.
Was sagt die Bibel über Besserwisserei?
Römer 12,3 sagt: „Denk nicht höher von dir, als dir zukommt, sondern schätze dich selbst richtig ein!“ Keiner von uns hat das ganze Bild vor Augen, wir alle erkennen nur Teile des Ganzen. Darum brauchen wir einander und eine Haltung der Demut.
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