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Positives Denken als Christ: behalten, prüfen oder loslassen?

Merle Ranft6 Min. Lesezeit

Ist positives Denken biblisch – oder muss ich damit aufhören, jetzt, wo ich Christ bin? Ich habe mein ganzes Leben geübt und trainiert, positiv zu denken, und kenne diese Frage deshalb sehr gut.

In der Persönlichkeitsentwicklung, in New Age, Esoterik und Spiritualität wird positives Denken wie eingebrannt. Wer Jesus nachfolgt, steht irgendwann vor der Frage: Was mache ich mit diesem Habitus? Kann ich das behalten? Ist das biblisch? Oder muss ich es neu reflektieren?

Warum wir unser Denken prüfen dürfen

Die Frage ist berechtigt, denn wir wollen treu sein. Wir wollen, dass all unsere Gedanken, Gefühle und Prägungen, die ganze Weltanschauung, die wir vor Jesus aufgebaut haben, geprüft wird – und dass wir sie austauschen gegen die biblische Weltanschauung, gegen Gottes Wahrheit und Gottes Ordnung.

Römer 12,2: „Und richtet euch nicht nach den Maßstäben dieser Welt, sondern lasst die Art und Weise, wie ihr denkt, von Gott erneuern und euch dadurch umgestalten, sodass ihr prüfen könnt, ob etwas Gottes Wille ist – ob es gut ist, ob es Gott gefallen würde und ob es zum Ziel führt!“

Das ist ein Prozess, den wir aktiv gehen müssen. Es ist nicht so, dass ich zum Glauben komme und zack – das ganze System wird erneuert, alte Dateien werden gelöscht, neue draufgezogen, und pam, fertig ist der perfekte Christ. Es ist ein freier Willensakt, zu sagen:

„Herr, ich komme aus einer anderen Geschichte, ich komme aus der Welt, ich habe eine andere Weltanschauung und andere Prägungen. Hilf mir, das zu prüfen, zu reflektieren, das Gute zu behalten und alles andere zu veredeln und in deine Ordnung zu bringen.“

Ist positives Denken biblisch? Grundsätzlich: ja

Positiv zu denken ist erst einmal nichts Negatives, wie der Name schon sagt. Eine positive Grundhaltung ist gut. Es ist gut, lösungsorientiert und optimistisch zu sein. Und es ist gut, sich selbst zu reflektieren: Werde ich gerade bitter, frustriert, pessimistisch, bewertend?

Das passiert. Du hast einen schlechten Tag, und die Gedanken ketten sich aneinander. Machst du das nicht nur einen Tag, sondern Wochen, Monate, vielleicht schon seit Kindesbeinen, dann hast du ein negatives Denken – und das ist keine gute Grundhaltung.

Positives Denken ist also eine sinnvolle menschliche Haltung, die wir üben und trainieren dürfen. Sie fällt uns nicht einfach in den Schoß. In der Persönlichkeitsentwicklung wird genau das sehr sauber trainiert.

Musst du jetzt also ein grumpy Typ werden, nur weil du Jesus nachfolgst? Nein. Du darfst positives Denken behalten und weiter praktizieren. Und an alle Christen, die nie etwas mit Manifestieren zu tun hatten: Übt es ruhig. Ein Schüppchen mehr Lösungsorientierung, Wohlwollen und der Blick für das Gute im Menschen würden uns allen guttun.

Wo positives Denken zur Magie wird

Das Problem entsteht erst dann, wenn wir mit dem positiven Denken einen magischen Mechanismus verbinden. Und da sind wir mitten im Manifestieren, Visualisieren, im „Anziehen“: Ich bin ein Magnet für Geld, Erfolg, Gesundheit, für den Traumpartner.

Dann ist positives Denken keine neutrale menschliche Grundhaltung mehr, sondern ein Werkzeug. Es stößt etwas Magisches an, nach dem Motto: Ich muss nur so gut und so positiv wie möglich von etwas denken, dann ziehe ich es in mein Leben. Ich muss so gut wie möglich von mir denken, von meinen Fähigkeiten, und trage damit dazu bei, dass ich erfolgreich bin, viel Geld habe – name it.

Das ist der eine Punkt, an dem es aus christlicher Sicht schräg wird. Wie Manifestieren sich zum Glauben verhält, habe ich im Artikel Kann ich als Christ manifestieren? ausführlicher beschrieben.

Drei Gedanken, wie du dein positives Denken prüfst

1. Prüfe deinen Habitus

Was verstehst du unter positivem Denken? Geht es dir einfach darum, optimistisch, lösungsorientiert und wohlwollend durchs Leben zu gehen? Fein. Dann bewahre dir das und kipp das Kind nicht mit dem Bade aus, nur weil du meinst, als Christ müsstest du das jetzt ändern.

Merkst du aber, dass positives Denken bei dir automatisch mit Manifestieren verbunden ist, dass du damit etwas erschaffen willst, dann nimm genau das mit zu Jesus und ins Gebet. Tausch dich mit anderen aus, die das kennen, und frag: Wie hast du das gemacht? Wenn ein Habitus so stark geworden ist, ist das Unterscheiden manchmal ziemlich tricky.

2. Schau, was Gott dazu sagt

Schau dir an, was Gott über positives Denken und über magisches Denken sagt. Das öffnet dir im wahrsten Sinne die Augen, und du kannst besser unterscheiden, was du tun und was du lieber lassen solltest. Auch hier gilt: Geh in Gottes Wort hinein.

3. Prüfe, ob der Gedanke wahr ist

Frag dich bei einem positiven Gedanken nicht nur, ob er dir guttut. Frag dich, ob er wahr ist. Auch das dürfen wir neu lernen, wenn wir zum Glauben kommen: Was wir vorher für gut, richtig und wahr gehalten haben, kann im biblischen Kontext anders ausschauen.

Ist das, was ich da denke, einfach nur gut und positiv und nice to have – eine schöne warme Badewanne für mich? Oder ist es wirklich das Gute, das Wahre, das Wahrhaftige im biblischen Sinne?

Das Schokoladen-Beispiel

Ein fiktives Beispiel: Du sagst dir ständig „Schokolade und Eis tun mir so gut, das hebt meine Stimmung, davon werde ich ausgeglichener und ein besserer Mensch.“ Und so legitimierst du Süßigkeiten als etwas Positives in deinem Leben.

Nichts gegen Schokolade. Aber das ist eine – im wahrsten Sinne des Wortes – süß ummantelte, schwierige Aussage. Wenn du dein ganzes Leben nur noch Schokolade essen würdest, wäre das irgendwann ungesund. Und da ist die Bibel manchmal unangenehm: Sie weist auf Wahrheiten hin und sagt sinngemäß: Du kannst das toll finden, wie du möchtest, aber am Ende tut es dir nicht gut. Hör auf damit oder reduzier es dramatisch.

Genau so funktioniert positives Denken manchmal: Wir malen etwas positiv an, was eigentlich nicht positiv ist. Und es ist ein Geschenk, dass die Bibel uns da immer wieder wachrüttelt – „da denkst du dir gerade was aus“ – weil Gott uns zu einem gesunden Verhalten führen will.

Positives Denken, aber an Gottes Wahrheit ausgerichtet

Am Ende heißt das: Positives Denken? Na klar, bitte mehr davon. Wir dürfen es alle üben und lernen. Aber bitte die wahren, guten, echten Dinge denken – und das positive Denken an biblischen Werten ausrichten.

Philipper 4,8: „Ansonsten denkt über das nach, meine Geschwister, was wahr, was anständig und gerecht ist! Richtet eure Gedanken auf das Reine, das Liebenswerte und Bewundernswürdige; auf alles, was Auszeichnung und Lob verdient!“

Dann ist es ein positives Denken, das aufbaut, das zuträglich ist, das uns nicht von hinten durch die kalte Küche krank macht oder schadet – und das vor allem frei ist vom magischen Gedanken.

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Häufige Fragen

Muss ich als Christ aufhören, positiv zu denken?

Nein. Eine positive, lösungsorientierte und wohlwollende Grundhaltung ist eine sinnvolle menschliche Haltung, die du weiter üben darfst. Problematisch wird es erst, wenn positives Denken mit einem magischen Mechanismus verbunden ist.

Was ist der Unterschied zwischen positivem Denken und Manifestieren?

Positives Denken ist eine Haltung. Beim Manifestieren wird es zum Werkzeug: Man glaubt, man müsse nur positiv genug denken, um Geld, Erfolg, Gesundheit oder einen Partner ins eigene Leben zu ziehen. Genau diese Verbindung gehört auf den Prüfstand.

Woran erkenne ich, ob ein positiver Gedanke gut ist?

Frag nicht nur, ob er sich gut anfühlt, sondern ob er wahr ist – ob er Gottes Wahrheit und Gottes Ordnung widerspiegelt.

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