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Muss ich mich als Christ einer Gemeinde unterordnen? Erst Jesus, dann prüfen

Merle Ranft6 Min. Lesezeit

Nein. Ich glaube nicht, dass du dich als Christ einer Gemeinde unterordnen musst. Ich glaube aber, dass wir Christen dringlich Gemeinschaft suchen sollten – und das ist kein Widerspruch, auch wenn das Thema ein heißes Eisen ist.

Die Frage steht sehr bald im Raum, wenn du Jesus angenommen hast. Bei mir war sie sofort da: In welcher Gemeinde bist du? Unter welchem Leiter bist du? Wer prägt dich, wer schult dich? Ich konnte am Anfang überhaupt nichts dazu sagen, weil ich einfach noch keine Gemeinde hatte.

Wem du dich zuerst unterordnest

Wenn wir Jesus annehmen, ordnen wir uns wem unter? Jesus. Um ihn geht es die ganze Zeit in unserem Glauben. Er hat uns wachgeknutscht, so nenne ich das immer. Er ist uns begegnet, hat sich uns offenbart, hat uns verändert und unser Herz für ihn geöffnet. Er hat uns die Offenbarung geschenkt, dass er Gott ist.

Offenbarung 22,13: „Ich bin das Alpha und das Omega, der Erste und der Letzte, der Ursprung und das Ziel.“

Alles dreht sich um Jesus. Er ist der einzige Herr, und er ist derjenige, dem wir uns unterordnen dürfen. Unterordnung ist in diesem Sinn etwas sehr Gutes: Wir ordnen uns dem Herrn aller Herren unter, dem Schöpfer, der das hier alles gemacht hat und der dich besser kennt, als du dich selbst kennst. Ihm untergeordnet zu sein, ist ein großer Segen, eine große Ehre und ein großes Geschenk.

Das ist die Reihenfolge. Zuerst Jesus. Alles Weitere kommt danach und wird an ihm gemessen.

Warum du Gemeinschaft trotzdem dringend brauchst

Aus dieser Unterordnung heraus ergibt es Sinn, Menschen zu suchen, die Jesus genauso angenommen haben. Die angefangen haben, im Alltag mit ihm zu laufen, die Erfahrungen mit ihm gemacht haben, die von ihm geschult, geheiligt, auch gerüttelt und herausgefordert wurden. Die im Glauben gewachsen sind, durch Jesus und durch sein Wort.

Mit solchen Menschen verbindest du dich: mit Reiferen und mit Gleichgesinnten. Um aneinander und miteinander zu wachsen. Um dich korrigieren zu lassen. Um dir Rat zu holen.

Hebräer 10,24–25: „Und lasst uns aufeinander achten und uns gegenseitig zur Liebe und zu guten Taten anspornen. Deshalb ist es wichtig, unsere Zusammenkünfte nicht zu versäumen, wie es sich einige angewöhnt haben. Wir müssen uns doch gegenseitig ermutigen, und das umso mehr, je näher ihr den Tag heranrücken seht, an dem der Herr kommt.“

Ich bin fest davon überzeugt, dass Gott uns auf Gemeinschaft ausgelegt hat. Wir schneiden uns ins eigene Fleisch, wenn wir Gemeinschaft nicht suchen und pflegen. Wer aus meinem Nein am Anfang heraushört, er könne seinen Glauben gut allein leben, hat mich falsch verstanden.

Wie Gemeinschaft aussieht, der du dich gern anschließt

Die Frage ist, in welcher Form das geschieht. Und da habe ich persönlich eine etwas freiere Vorstellung. Für mich ist Gemeinde eine Gemeinschaft von Gläubigen, die sich Jesus unterordnen. Die sich committet haben, ihr Leben nach Jesus und der Bibel auszurichten. Die miteinander wachsen und es ernst meinen.

Menschen, die nicht Wasser predigen und Wein trinken, sondern tun, was sie sagen. Die keine fromme Fassade haben und nicht nur theoretisch über Dinge sprechen, sondern Praktiker sind.

Die Bibel ruft uns an unterschiedlichen Stellen genau dazu auf: in Gemeinschaft zu leben, Leiter zu haben, also Erfahrene und Älteste, miteinander im Glauben zu wachsen, sich zu verpflichten, Teil dieser Gemeinschaft zu sein, ihr zu dienen und sich einzubringen. Das nehmen wir als Blaupause. Wir ordnen uns Jesus unter, wir leben in Gemeinschaft, und so wird Jüngerschaft ganz konkret.

Leiterschaft ist wichtig. Gemeinschaft ist wichtig. Das Ganze unter Jesus zu leben, ist ultra wichtig.

Muss ich mich einer Gemeinde unterordnen, wenn die Leitung nicht trägt?

Die Probleme entstehen dort, wo eine Gemeinde oder Kirche auf ungesunden Strukturen aufbaut. Ein Beispiel aus unserer Arbeit: Oli und ich sind Unternehmer und begleiten Menschen in ganz unterschiedlichen Themen. Einigen, die mit einer Abhängigkeit zu kämpfen hatten, haben wir geraten: Such dir einen Kreis mit erfahrenen Leuten, die das selbst hatten und überwunden haben. Such dir dort Gemeinschaft, damit du es überwinden kannst.

Zurück kam: Die Leiter dort stecken selbst noch drin. Da haben wir uns an den Kopf gefasst. Dann dürfen sie doch keine Leiter sein.

Das erleben wir immer wieder, persönlich und bei Menschen, die wir begleiten: In Kirche und Gemeinde als menschlichem Konstrukt, so wie es sich etabliert hat und unabhängig von der Denomination, stecken oft grundlegende Systemfehler. Jemand ist Leiter, obwohl er es gar nicht sein dürfte. Weil er die Reife nicht hat, weil er die Kompetenz nicht hat, weil er in Sünde lebt.

So etwas muss man ansprechen. Und dann darfst du auch sagen: Davon möchte ich kein Teil sein. Diesem Leiter ordne ich mich nicht unter. Das hat gute Gründe, und die Bibel leitet uns genau dazu an:

1. Thessalonicher 5,21: „Prüft aber alles und behaltet das Gute!“

Die menschliche Realität ist bunt und sieht häufig anders aus. Trotzdem dürfen wir uns nicht von frommen Regeln reglementieren und an eine Gemeinde oder Kirche binden lassen, die letztlich nicht gut ist. Wo man merkt: Hier hat man den Blinden zum Anführer gemacht.

Matthäus 15,14: „Lasst sie! Sie sind blinde Blindenführer. Und wenn ein Blinder einen Blinden führt, fallen beide in die Grube.“

Das bringt ja nichts. Deshalb mag ich dich ermutigen, ganz klar zu prüfen und dir die Freiheit zu nehmen, zu sagen: Dieser Gemeinde kann und will ich mich nicht unterordnen. Ich mache mich auf die Suche nach einer anderen Gemeinde oder einer anderen Gemeinschaft.

Wichtig ist die Richtung: Du gehst nicht weg von Gemeinschaft, du suchst eine bessere. Wie du dabei andere Christen nicht zum Feindbild machst, auch wenn du dich unter ihnen fremd fühlst, habe ich im Artikel Warum fühle ich mich in der Gemeinde fremd? beschrieben.

Gemeinschaft darf vielfältig aussehen

Sei bei der Suche ruhig etwas flexibler darin, wie du das Wort Gemeinschaft verstehst. Wir haben in der Bibel ganz klare Kriterien, die Gemeinschaft ausmachen. Das bedeutet aber nicht, dass der Sonntagsgottesdienst immer so und so abzulaufen hat, diese und jene Elemente haben muss und du so und so oft da sein musst, weil du sonst kein guter Christ bist.

Jeder Mensch ist unterschiedlich. Jeder hat einen anderen Ruf und wird von Jesus anders für seinen Auftrag vorbereitet. Wir brauchen also unterschiedliche Kernkompetenzen in Gemeinschaft, und wir brauchen unterschiedliche Formen von Gemeinschaft. Das ist gut so.

Solange Jesus der Chef bleibt und wir uns nach biblischen Prinzipien ausrichten, dürfen wir uns, so meine Meinung, die Freiheit nehmen, Gemeinschaft vielfältig zu leben. Diese beiden Dinge müssen gesetzt sein: Jesus und biblische Prinzipien. Dann wird da was draus. Was in Gemeinden biblisch ist und was über die Zeit gewachsene Kultur, darum geht es in Christlich oder biblisch?.

Nimm nicht einfach die Nächstbeste

Lass dich nicht unter Druck setzen nach dem Motto: Ich muss jetzt in einer Gemeinde sein, ich finde keine, also nehme ich die, die unter allen noch am besten ist. Auch hier leitet uns die Bibel an zu prüfen, mit wem wir uns umgeben. Denn die Menschen, die uns umgeben, prägen unser Leben.

Sprüche 13,20: „Wer mit Weisen umgeht, wird weise, doch wer sich mit Narren einlässt, schadet sich.“

Umgib dich mit einer guten, starken, biblisch fundierten Gemeinschaft. Und sei bitte frei und mündig, dir eine auszusuchen, die dem entspricht.

Dann hast du nämlich überhaupt kein Problem mehr damit, zu sagen: Da ordne ich mich unter. Da bin ich ein Teil von. Da lasse ich mich korrigieren, da dürfen andere Menschen in mein Leben sprechen. Weil die Rahmenbedingungen gegeben sind, dass es nicht missbräuchlich wird und nicht religiös limitierend.

Unterordnung beginnt bei Jesus. Und wo Menschen sich ihm gemeinsam unterordnen, fällt es leicht, sich auch einander zu verpflichten.

Dieses Thema gibt es auch als Video: auf YouTube ansehen

Häufige Fragen

Muss ich mich als Christ einer Gemeinde unterordnen?

Zuerst ordnest du dich Jesus unter – er ist der einzige Herr. Gemeinschaft mit anderen Christen brauchst du trotzdem dringend. Welcher Gemeinde und welcher Leitung du dich anschließt, darfst und sollst du prüfen.

Was mache ich, wenn ein Leiter in meiner Gemeinde nicht glaubwürdig ist?

Ansprechen – und dir die Freiheit nehmen zu sagen: Diesem Leiter ordne ich mich nicht unter. Dann suchst du weiter nach einer Gemeinschaft, in der Jesus der Chef ist und biblische Prinzipien gelten. Allein bleiben ist nicht die Lösung.

Muss christliche Gemeinschaft immer ein Sonntagsgottesdienst sein?

Nein. Die Bibel nennt klare Kriterien für Gemeinschaft, aber sie schreibt nicht vor, wie ein Sonntagsgottesdienst abzulaufen hat oder wie oft du dort sein musst. Solange Jesus der Herr bleibt und biblische Prinzipien gelten, darf Gemeinschaft vielfältig gelebt werden.

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