Bin ich zu radikal im Glauben? Was du tun kannst, wenn dein Umfeld dein Feuer für Jesus nicht versteht
„Stimmt irgendwas mit mir nicht? Mache ich irgendwas falsch? Bin ich irgendwie überdreht?“ Wenn du für Jesus brennst und dein Umfeld damit wenig anfangen kann, landest du schnell bei genau dieser Frage: Bin ich zu radikal im Glauben?
Ich kenne das sehr, sehr gut. Und Oli und ich hören es immer wieder von Menschen, die Jesus wirklich nachfolgen wollen. Das Schlimmste, was dann passieren kann: Du brennst, keiner versteht dich – und du hörst auf.
Mit meinem Feuer stand ich da und wusste nicht, wie
Ich bin vor fünf Jahren zum Glauben gekommen. Jesus hat mich wach geknutscht, und zwar so, dass ich voller Feuer sofort am Start war. Ich hatte so lange geschlafen, war so lange in der Welt unterwegs und meinem Herrn untreu gewesen. Jetzt waren meine Augen offen, und ich wollte ihn zurücklieben: ohne Kompromiss, nicht weichgespült, hundert Prozent Jesus, seine Wege, sein Timing, seine Ordnung.
Klar ist das radikal. Ich habe das Alte hinter mir gelassen. Nur stand ich mit diesem Feuer da und wusste nicht, wie. Ich bin Unternehmerin, also wollte ich wissen, wie ich mit Geld, Berufung und Business umgehe. Ich bin verheiratet, also wollte ich wissen, was Gottes Ordnung für die Ehe ist. So bin ich Lebensbereich für Lebensbereich durchgegangen und habe verzweifelt nach Menschen gesucht, die mein Feuer verstehen und mir praktische Antworten geben können.
Ich habe viel Zuspruch bekommen, zu meinem Zeugnis und zu meinem Weg. Ich habe viel Wissen bekommen, über den Glauben und über die Bibel. Aber dort, wo es darum ging, wirklich all in zu gehen, stand ich ziemlich schnell auf trockenem Boden.
Was bleibt einem dann? Ich bin ins Wort gegangen und habe so schnell wie möglich die Bibel gelesen, um einen groben Überblick zu bekommen. Ich bin leidenschaftlich ins Gebet gegangen, habe meine Lebensbereiche vor Jesus gebracht und ihn gebeten, dass wir sie gemeinsam aufräumen. So kamen Schritt für Schritt die praktischen Antworten.
Bin ich zu radikal im Glauben – oder stimmt etwas mit den anderen nicht?
Wer brennt, ist Praktiker. Dir reicht es nicht zu wissen, was ein guter Christ ist. Du willst wissen: Wie mache ich es jetzt, in der Ehe, mit den Finanzen, in meiner Berufung? Kann ich als Christ noch Yoga machen? Kann ich noch manifestieren?
Diese Sehnsucht nach Praxis kann irritieren. Sie trifft auf Menschen, die Jesus nicht kennen, und auf Menschen, die gerade nicht brennen: weil sie nie richtig ans Brennen gekommen sind oder weil die Jahre sie müde gemacht haben. Ich meine das nicht als Urteil, so als wäre der eine gut und der andere eine Vollkatastrophe. Ich halte es nur sachlich fest: Da knallen Welten aufeinander.
Und dann fragst du dich, ob du die Person im Raum bist, die nicht ganz sauber tickt. Ich habe mich das immer wieder gefragt: Bin ich irgendwie crazy? Steigere ich mich da in etwas hinein? Ich habe mich auch gefragt, ob mit den anderen etwas nicht stimmt. Aber ich habe schnell gemerkt, dass diese Frage zu nichts führt. Sie führt nur zu Hochmut, Stolz und Bewertung.
Dass du dich selbst prüfst, ist gut. Fatal wird es, wenn die einzige Lösung zu sein scheint, das Feuer auszumachen.
1. Thessalonicher 5,19–21: „Unterdrückt nicht das Wirken des Heiligen Geistes! Verachtet prophetische Aussagen nicht, prüft aber alles und behaltet das Gute!“
Wenn Jesus dir dieses Feuer ins Herz gelegt hat, kann Ausmachen nicht die Antwort sein. Bist du also falsch, weil dein Umfeld dich nicht versteht? Nein, auf gar keinen Fall. Sind deshalb alle anderen falsch? Auch nicht. In dieses andere Extrem dürfen wir genauso wenig fallen. Es braucht biblische Klarheit: für dein Feuer und für das Unverständnis, das ihm begegnet. Und dann gehst du deinen Weg weiter. Gut, nicht rebellisch, nicht frustriert und nicht bitter.
Für mich hieß das ganz praktisch: Ich kann für jemanden radikal erscheinen. Das ist nicht schlimm. Ich segne die Person, ich bete für sie und gehe weiter. Ich setze meine Grenzen und halte mich an Jesus fest, an niemandem sonst.
Tipp 1: Mach dein Feuer nicht klein
Oft reagieren wir mit Menschenfurcht: Vielleicht stimmt ja wirklich etwas mit mir nicht. Hab den Mut und schau in die Bibel. Findest du dort wieder, was du erlebst und was dir vielleicht angekreidet wird? Geh ins Wort, prüf es und lass dich nicht kleinmachen, weder von religiösen Konzepten noch von menschlichen Konstrukten.
Menschen, die nicht im Glauben sind, können dein Feuer gar nicht einordnen. Sie sind Jesus noch nicht begegnet. Deshalb darfst du im besten Sinne selbstbewusst sagen: Ich habe dieses Feuer, ich prüfe es, ich bin in Gottes Wort und im Gebet und schaue auf Jesus. Und dann streck dich danach aus, dein Feuer immer besser zu verstehen, damit du es praktisch leben kannst.
Tipp 2: Hinterfrag den Status quo
Nur weil etwas in der Gemeinde so gemacht wurde, ist es nicht automatisch Gottes Ordnung. Und nur weil ein Christ sagt, so mache man das, muss es nicht biblisch sein. Ich weiß, das ist hart. Aber ich habe früher selbst gesagt, ich sei Christ, als ich Jesus noch gar nicht kannte. Auf dem Papier war ich evangelisch, mehr steckte nicht dahinter. Prüf deshalb auch das Wort „christlich“: Steckt Christus drin?
Je praktischer wir werden, desto klarer werden wir. Das ist nicht immer schön. Wenn du zum Beispiel deine Finanzen Jesus hinlegst, siehst du die Baustellen und merkst, wie dein Herz dort wirklich unterwegs ist. Anders geht es aber nicht.
Dass eine Gemeinde seit Jahrzehnten besteht, sagt für sich noch nichts. Das Römische Reich gab es auch lange. Wir dürfen prüfen, und zwar nicht aus Groll oder Überheblichkeit, sondern aus Liebe zu Jesus.
Schütte dabei das Kind nicht mit dem Bade aus. Nur weil etwas Tradition geworden ist, ist es nicht falsch. Wir prüfen, ob die Sache biblisch ist, und wir prüfen, ob wir selbst richtig draufschauen: unser Herz, unseren Blick. Dass du brennst, heißt nicht, dass du nicht kritisiert werden darfst. Das gilt übrigens auch für Leiter. Wer leitet, sollte es aushalten, hinterfragt zu werden, und sich korrigieren lassen. Auch ich.
Tipp 3: Jesus steht im Zentrum, nicht eine christliche Kultur
Ich habe es oft erlebt, wenn ich mit Menschen über Gemeinde und Kultur im Austausch war: Die Gemeinde wurde mehr verteidigt als Jesus. Das hat mich am Anfang ziemlich verletzt. Es geht doch um Jesus! Für mich ist das seither ein klarer Prüfpunkt: Verteidigen wir mehr ein System, eine Gemeinde, eine menschliche Kultur – oder Jesus?
Nichts, gar nichts im Leben sollte uns heiliger sein als Jesus. Und dann bist du natürlich radikal. Ist ja logisch. Nachfolge fängt mit dem Satz „Ich glaube an Jesus“ gerade erst an. Der eigentliche Schritt ist, sich hinzulegen und zu sagen: „Nimm mir alles, forme mich so, wie du das willst. Nimm die Strukturen von meinem Business, die ich mir überlegt habe. Nimm die Strukturen von Kirche, die wir uns als Menschen überlegt haben. Nimm uns das alles. Wir wollen nur dich.“
Die christliche Kultur hat oft ein Dazwischen etabliert. Das gibt es aber nicht.
Offenbarung 3,15–16: „Ich kenne dein Tun und weiß, dass du weder heiß noch kalt bist. Wenn du doch das eine oder andere wärst! Doch du bist lau, weder heiß noch kalt. Darum werde ich dich aus meinem Mund ausspucken.“
Ich habe einmal in einer Predigt ein Bild dafür gehört: Der Heilige Geist rüttelt an den Zäunen, auf denen Menschen sitzen, weil sie sich nicht entscheiden. Es gibt nicht das in der Mitte. Es gibt entweder Jesus oder nicht.
Jüngerschaft ist kein Spaziergang. Wäre sie einer, würden es alle machen, die Jesus kennen. Wir werden herausgefordert, und wir fordern unser Umfeld heraus. Das ist gut und richtig. Das Leben mit Jesus ist nicht immer happy-clappy. Aber wir dürfen auch durch schwere Zeiten gehen, in seinem Frieden verwurzelt, ohne uns einschränken oder zu Hochmut provozieren zu lassen.
1. Petrus 5,8: „Seid nüchtern und wachsam! Euer Todfeind, der Teufel, streift wie ein brüllender Löwe umher und sucht jemanden, den er verschlingen kann.“
Tipp 4: Such dir Menschen, mit denen du gehen kannst
Bleib kein Einzelkämpfer. Zieh dich nicht zurück, sei nicht traurig und verletzt, sondern geh weiter hinter Jesus her und bleib standhaft. Dabei gibt es viel zu lernen: Geistesunterscheidung, prüfen, die Bibel lesen, standhaft sein, Kampfführung, wachsam sein im Gebet, Fürbitte. Wir hören damit nie auf, weil wir Jesus ähnlicher werden dürfen. Das ist nichts für die Theorie, das will geübt werden.
Du brauchst Menschen, die mit draufschauen und in dein Leben sprechen dürfen, weil sie sich dafür qualifizieren. Lass bitte nicht jeden in dein Leben reden. Im normalen Leben tust du das auch nicht. Warum sollte es im Glaubensleben anders sein? Nicht jeder kann daherkommen und sagen: Ich korrigiere dich jetzt.
Eisen schärft Eisen. Wir wachsen nur, wenn wir uns herausfordern lassen. Zugleich bleiben wir demütig und formbar und urteilen nicht über andere.
Also: Dimm dich nicht zurück. Und mach gut weiter – nicht bockig, nicht rebellisch, nicht mit dem Gedanken, alle anderen seien blöd. Nüchtern, mit dem Blick auf Jesus und mit dem Ziel, alle deine Lebensbereiche unter Gottes Ordnung zu bringen. Dazu gehört auch die Art, wie wir Gemeinschaft leben.
Genau deshalb haben Oli und ich Jüngerschaft konkret gestartet: Wir wollten einen Raum schaffen, in dem Praxis gelebt wird und du Orientierung bekommst, aus der Praxis für die Praxis, damit du nicht allein unterwegs sein musst. Wenn du merkst, du willst Jüngerschaft leben und dich herausfordern lassen, dann melde dich bei uns. Du kannst dich jederzeit bewerben. Es gibt keinen Kurslaufplan, bei dem du irgendwann hinterherhängst, sondern einen Trainingsplan, den wir individuell miteinander gestalten. Alle Infos zu unserem Jahresmentoring Jüngerschaft konkret
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Häufige Fragen
Bin ich zu radikal, wenn ich Jesus mit meinem ganzen Leben nachfolgen will?
Nein. Wenn dir nichts heiliger ist als Jesus, wirkst du auf manche radikal – das ist logisch und nicht schlimm. Prüf dein Feuer an Gottes Wort und im Gebet, aber mach es nicht klein.
Was mache ich, wenn mein Umfeld meinen Glauben nicht versteht?
Mach dein Feuer nicht aus und erklär die anderen nicht für falsch. Hinterfrag den Status quo an der Bibel, stell Jesus ins Zentrum statt einer christlichen Kultur und such dir Menschen, mit denen du gehen kannst.
Darf ich hinterfragen, wie Dinge in der Gemeinde gemacht werden?
Ja. Dass etwas lange so gemacht wird, macht es nicht automatisch zu Gottes Ordnung – aber auch nicht automatisch falsch. Prüf die Sache an der Bibel und prüf zugleich dein eigenes Herz: aus Liebe zu Jesus, nicht aus Groll.
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