Dein Zeugnis irritiert Christen? Versteck es nicht – drei Tipps für den Umgang mit komischen Reaktionen
„Mein Zeugnis irritiert immer wieder die Christen.“ Vielleicht hast du diesen Satz selbst schon gesagt – oder du fragst dich gerade, was du tun sollst, wenn dein Zeugnis Christen irritiert und plötzlich Abstand entsteht, wo du Gemeinschaft gesucht hast.
Vielleicht hast du es auch schon mehrfach in deinem Umfeld gehört: Menschen finden zu Jesus, suchen christliche Gemeinschaft, finden sie, öffnen sich dort und erzählen, was Gott in ihrem Leben getan hat. Und dann gibt es auf einmal einen Bruch. Entweder können die anderen buchstäblich gar nichts damit anfangen. Oder es geht so weit, dass Menschen aus der Gemeinde sagen: Ich halte mal lieber Abstand, das ist mir alles ein bisschen komisch.
Zwei Welten prallen aufeinander
Erst einmal ist das verständlich. Wer spät zu Jesus findet und schon ein Leben in der Welt hatte, bringt andere Themen mit als jemand, der von klein auf im christlichen Kontext groß geworden ist. Da prallen zwei Welten aufeinander: ein Mensch, der christlich sozialisiert ist und bestimmte Erfahrungen gemacht hat, und ein Mensch, der aus der Welt kommt und ganz andere Erfahrungen gesammelt hat.
Oli und ich kennen das. Wir sind auch erst sehr spät zum Glauben gekommen und haben unsere Vergangenheit mitgebracht. Wir kamen aus der Esoterik, aus dem New-Age-Bereich. Wir hatten ganz andere Themen im Gepäck als viele andere Christen, die im christlichen Rahmen groß geworden sind.
Und solche Themen gibt es viele. Da erzählt jemand, dass er vom Alkohol befreit wurde. Jemand kommt wie wir aus dem New Age und wurde von esoterischen Gedanken befreit. Jemand berichtet, dass er von dämonischen Einflüssen freigesetzt wurde. In der christlichen Bubble kann das erst einmal eine richtige Explosion auslösen.
Versteck dein Zeugnis nicht
Wenn du später zu Jesus gefunden hast und dein Zeugnis vielleicht krasser ist, wenn es die christliche Bubble irritieren oder aufwühlen kann, dann sage ich dir: Das ist gut. Dann ist das super. Jesus sagt zu dem Mann, den er gerade befreit hat:
Markus 5,19: „Geh nach Hause zu deinen Angehörigen, und berichte ihnen, wie viel der Herr in seinem Erbarmen an dir getan hat.“
Pack dein Zeugnis nicht in eine Schublade, nur weil du nicht anstoßen und niemanden irritieren willst. Es ist dein Zeugnis, und es ist wertvoll. Es ehrt Jesus, wie er dich freigesetzt hat, wie er dich befreit, gerettet, geheiligt und gerechtfertigt hat. Paulus schreibt an die Gemeinde in Korinth, nachdem er aufgezählt hat, was manche von ihnen früher waren:
1. Korinther 6,11: „Und das sind manche von euch gewesen. Aber durch den Namen des Herrn Jesus Christus und durch den Geist unseres Gottes seid ihr reingewaschen, seid ihr geheiligt, seid ihr gerecht gesprochen worden.“
„Das sind manche von euch gewesen“ – gewesen. Gott hat dich freigesetzt. Gott hat dich gerettet. Punkt. Das ist eine Feier wert, das ist Lobpreis wert, und das muss nicht versteckt werden. Ob Menschen es verstehen oder nicht, ist eine andere Frage.
Warum dein Zeugnis Christen irritiert
Wenn Menschen mit deinem Zeugnis nicht umgehen können, gibt es dafür unterschiedliche Gründe. Zum Beispiel diese zwei.
Sie waren nie mit diesen Themen in Berührung. Viele Christen, die schon lange im Glauben sind, vielleicht schon über Generationen, haben mit Esoterik, Sucht oder okkulten Erfahrungen schlicht nichts zu tun gehabt. Sie können es nicht einordnen.
Oder sie haben die Themen selbst – und trauen sich nicht, darüber zu sprechen. Sie können, wollen oder dürfen nichts dazu sagen, weil sie es hinter der frommen Maske verstecken. Zum Beispiel, weil sie selbst ein Problem mit Alkohol haben.
Und genau hier siehst du, wie wichtig dein Zeugnis ist. Wenn du aus der Welt kommst und ein starkes Zeugnis mitbringst, kann das in der christlichen Bubble Freisetzung bewirken. Es kann Menschen ermutigen, fromme Masken fallen zu lassen, darüber zu sprechen, es zu Jesus zu bringen und sich selbst nach Befreiung auszustrecken.
Oli und ich haben das mit unserem Zeugnis aus der New-Age- und Esoterikwelt immer wieder erlebt. Christen stellen Fragen: Wie denken Leute aus dem New Age über Gott, über das Universum, übers Manifestieren? Das rüstet sie für die Evangelisation zu, denn wenn sie Menschen aus der Esoterik begegnen, verstehen sie sie besser. Und es kommt immer wieder vor, dass jemand sagt: „Ups, krass, das, was du erzählst von Manifestation, das hat sich auch in meine Gedanken eingeschlichen. Oh, da sollte ich vielleicht mal was prüfen.“ Das ist doch toll.
Tipp 1: Nimm es nicht persönlich
Wenn Menschen erst einmal abweisend reagieren, nimm es nicht zu sehr auf dich. Halte dir vor Augen: Vielleicht können sie es gar nicht richtig verstehen, weil sie die Themen, die in deinem Zeugnis zentral sind, nie erlebt haben. Oder sie sind selbst ein bisschen getriggert, weil sie so etwas irgendwo ganz tief in ihren Schublädchen haben und es dann verteidigen wollen. Und es gibt noch viele andere Gründe.
Tipp 2: Versuch zu verstehen, woher die Reaktion kommt
Das haben Oli und ich ganz häufig gemacht. Wir haben sehr, sehr gute Freunde, die lange im Glauben sind, also christlich sozialisiert. Wenn ich ein Störgefühl hatte, weil ich mein Zeugnis erzählt oder einen Status quo infrage gestellt hatte und dann eine komische Reaktion kam, bin ich direkt zu ihnen gegangen: „Hört mal, ihr kommt doch aus der christlichen Bubble, ihr seid alte Hasen. Könnt ihr mir erklären, womit so eine Reaktion zu tun hat?“
Meistens konnten sie mir sehr schnell und sehr klar herleiten, warum jemand komisch, abweisend oder irritiert reagiert hatte. Und dann wusste ich: Ah, deswegen. Das hilft enorm. Die Person meint es ja nicht böse. Sie hat ihre Themen, ihre Erfahrungen, ihre Prägungen.
Schau also hin, woher die Reaktion kommt. Wenn du die Menschen verstehst, kannst du Verständnis für sie haben – und weiter frei und liebevoll auf sie zugehen. Das ist ganz wichtig, wenn daraus eine gute Beziehung werden soll. Jakobus bringt es auf den Punkt:
Jakobus 1,19: „Denkt daran, meine lieben Brüder: ‚Jeder Mensch sei schnell zum Hören bereit – zum Reden und zum Zorn, da lasse er sich Zeit.‘“
Tipp 3: You go first
Du darfst als Erste dein Zeugnis aussprechen. Und wenn Menschen irritiert sind, darfst du auch das ansprechen – in Liebe und in Wahrheit, mit der Absicht herauszufinden: Was ist hier gerade los?
Ich glaube ganz fest daran, dass es in vielen Situationen nicht darum geht, dass man dich anfeinden oder ausgrenzen will. Oft ist es Überforderung, oder man kann es einfach nicht einordnen. Und einem sprechenden Menschen kann geholfen werden.
Du darfst mit einer gewissen Selbstsicherheit und im Vertrauen in so ein Gespräch gehen und dort Mauern einreißen und Brücken bauen. Damit ihr euch besser versteht und dein Zeugnis Frucht bringen kann. Werde nicht böse auf Menschen, die damit erst einmal nicht umgehen können. Geh voran – verständnisvoll und fragend.
Deine Vergangenheit ist nicht mehr du – aber sie ist Zeugnis
Du bist nicht komisch. Für deine Vergangenheit musst du dich nicht schämen, und du solltest dein Zeugnis nicht zurückziehen. Du bist ein neues Geschöpf. Du bist angenommen durch den Herrn. Du bist jetzt mitten im Prozess der Nachfolge, in dem du veredelt, geheiligt und in deinem Charakter gestärkt wirst.
2. Korinther 5,17: „Wenn also jemand mit Christus verbunden ist, ist er eine neue Schöpfung: Was er früher war, ist vergangen: Seht doch, etwas Neues ist entstanden!“
Deine Vergangenheit hat nichts mehr mit dir jetzt zu tun. Aber sie kann Zeugnis sein für Gottes Wirken und ganz viel bei anderen auslösen – bei Menschen, die Jesus kennen, und bei Menschen, die ihn nicht kennen. Das dürfen wir nicht unterschätzen.
Ehrlich gesagt ist es oft auch eine Taktik von Team Black – so nenne ich den Feind –, dass wir daran gehindert werden, unser Zeugnis wirklich auszusprechen. Denn ein Zeugnis hat Kraft, Herzen zu Jesus zu führen. Die Bibel beschreibt diese Kraft sehr direkt. Hier zitiere ich ausnahmsweise die Elberfelder Übersetzung, weil die NeÜ an dieser Stelle das Wort „Zeugnis“ nicht verwendet:
Offenbarung 12,11 (Elberfelder): „Und sie haben ihn überwunden wegen des Blutes des Lammes und wegen des Wortes ihres Zeugnisses, und sie haben ihr Leben nicht geliebt bis zum Tod!“
Ein Zeugnis kann dreierlei bewirken. Menschen, die Jesus noch nicht kennen, hören es und strecken sich auf einmal nach Gott aus. Christen können manches besser verstehen und einordnen und sind dadurch viel kraftvoller in der Evangelisation unterwegs. Und Christen, die ähnliche Herausforderungen haben, werden ermutigt, die fromme Maske abzulegen und zu sagen: „Okay, Herr, auch hier, ich lege mein Herz hin. Was du bei dieser Person tun konntest, das kannst du auch bei mir tun.“ Und dann beten sie um Freisetzung.
Dein Zeugnis hat Kraft. Schäm dich nicht dafür.
Wenn du schon lange Christ bist
Genauso möchte ich Menschen ermutigen, die schon von Kindesbeinen an Christen sind: Öffnet euer Herz für Menschen, die aus der Welt kommen und ein Zeugnis mitbringen – egal, wie es aussieht, egal, wie krass das Thema ist. Seht es als Wert, feiert es und ehrt vor allem den Herrn damit.
Ich persönlich feiere es immer sehr, wenn Menschen ihr Zeugnis ganz frei teilen. Weil wir dann sehen, wie groß unser Herr ist, wie genial Gott wirkt, dass ihm nichts zu groß ist, nichts zu kompliziert und niemand zu weit weg. Das feiern wir auch bei DIVINE Connect, unserer Jesus-zentrierten Gemeinschaft für geistliches Wachstum und Nachfolge, jedes Mal, wenn dort Zeugnisse geteilt werden.
Also: Teil dein Zeugnis, auch wenn es irritiert. Lerne, gut damit umzugehen. Halt es nicht zurück. Und geh voran, damit Brücken entstehen und dein Zeugnis wirklich kraftvoll sein kann.
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Häufige Fragen
Soll ich mein Zeugnis lieber für mich behalten, wenn es Christen irritiert?
Nein. Dein Zeugnis zeigt, wie Gott dich befreit, gerettet, geheiligt und gerecht gesprochen hat. Es ehrt Jesus und hat seinen Wert – ob andere es verstehen oder nicht. Pack es nicht in eine Schublade, nur um niemanden anzustoßen.
Warum reagieren Christen abweisend auf ein Zeugnis aus der Esoterik oder Sucht?
Oft, weil sie mit solchen Themen nie in Berührung waren und sie nicht einordnen können. Manchmal, weil sie ähnliche Themen selbst haben, aber hinter einer frommen Maske verstecken. Oft steckt Überforderung dahinter, nicht der Wunsch, dich auszugrenzen.
Muss ich mich als Christ für meine Vergangenheit schämen?
Nein. Wer mit Christus verbunden ist, ist eine neue Schöpfung. Deine Vergangenheit hat nichts mehr mit dir jetzt zu tun – aber sie kann Zeugnis für Gottes Wirken sein.
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